Jemand stellt mir beim Familienessen eine spitze Frage, oder in meinem Posteingang blinkt eine Benachrichtigung auf, die eine Entscheidung verlangt, für die ich noch nicht bereit bin. Mein Kopf wird vollkommen leer. Meine Glieder fühlen sich schwer an, als wären sie mit nassem Sand gefüllt. Ich starre an die Wand, unfähig zu sprechen, unfähig, mich zu bewegen, unfähig zu spüren, was ich eigentlich will.
Jahrelang glaubte ich, diese Reaktion bedeute, dass ich faul, feige oder sozial unfähig sei. Ich saß stundenlang auf der Bettkante und scrollte durch mein Handy – wie gelähmt, und voller Selbsthass, weil ich nichts auf die Reihe bekam.
Was ich damals nicht verstand: Mein Nervensystem hatte eine übergeordnete Überlebensentscheidung getroffen. Wenn Reize oder emotionale Bedrohungen die Kapazität übersteigen, die du dir zutraust, dann kämpft dein Körper nicht und flieht auch nicht. Er zieht die Notbremse: Er geht in eine Freeze-Reaktion über.
Freeze ist kein moralisches Versagen. Es ist eine biologische Strategie zum Kräftesparen. Wenn du verstehst, warum dein Körper erstarrt, kannst du aufhören, gegen dich selbst anzukämpfen, und lernen, dich behutsam wieder aufzutauen.


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